Was weiß meine Logline über meine Hauptfigur?
“Ein nichtsnutziger Mlliardärs-Sohn, der einem Betrug im Unternehmen seines übermächtigen Vaters auf die Spur kommt, wird in der Kölner Innenstadt niedergestochen und erwacht unter Obdachlosen, die auf dem Melaten-Friedhof wohnen. Ausgerechnet bei diesen Ausgestoßenen lernt er, was Freundschaft ist und zieht schließlich mit ihnen los, die Bösen zu entlarven.”
Ein nichtsnutziger Milliardärs-Sohn, der unter einem übermächtigen Vater leidet und nicht weiß, was Freundschaft ist, soll also mein “Held” sein.
Auf dem heutigen “NaNo”-Treff in Köln wurde heftig über die Logline und den Haupt-Charakter diskutiert. Besonders das Wort “nichtsnutzig” löste Debatten aus. Pirouette schlug das Wort “ignorant” vor, das treffe es vielleicht besser. Andere meinten, “nichtsnutzig” klinge zu negativ.
Ich denke, dass Identifizierung mit dem Hauptcharakter hergestellt werden kann, wenn wir erleben, wie unser Held vom “übermächtigen Vater” gedemütigt wird. Es wird darauf ankommen, die “Nichtsnutzigkeit” durch Taten und Szenen deutlich zu machen, aber dem Helden auch positive Eigenschaften mitzugeben, damit seine Entwicklung im Laufe des Romans überzeugend wirkt. Francks Ziel ist, dem Vater zu beweisen, dass er doch etwas taugt, dazu muss er natürlich die Anlagen haben.
Ich habe dem Helden inzwischen einen Namen gegeben: Franck von Franckenhorst, alter Geldadel. Franck ist Mitte 20. Sein Vater wird Ferdinand von Franckenhorst heißen und ist etwa Mitte 50, also noch sehr aktiv im Geschäft.
Als dritter Charakter steht mir der “Prinz von Melaten” schon relativ deutlich vor Augen, Jean “Schäng” Leclerc, Mitte 30, ehemaliger Leistungssportler, der bei einem selbstverschuldeten Auto-Unfall, bei dem seine Freundin ums Leben kam, ein Bein verloren hat und darüber völlig aus der Bahn geriet. Sein jetziger Aufenthalt auf “Melaten” ist schon als Aufstieg anzusehen, auf dem Friedhof gibt es schließlich Wasser und Strom.
Jean ist ein Krüppel, aber er hat viel größere Kräfte, als man ihm zutrauen würde. Und er hat einen Trick: Wenn er auf Betteltour in der Fußgängerzone sitzt und die Geschäfte laufen schlecht, dann fährt er sein gesundes Bein aus, stellt einem Passanten ein Bein und brüllt dann laut los “Hilfe, Polizei, Überfall, der hat mich getreten, haltet ihn”, das schockt die Betroffenen so sehr, dass sie sich besonders großzügig zeigen, nur um ihre Ruhe zu haben.
Mir schwebt vor, dass Jean so im ersten Teil des Romans erste Bekanntschaft mit Franck macht und dabei mindestens 100 Euro kassiert. Richtig beginnt ihre Beziehung dann in dem Augenblick, wenn Franck niedergestochen in der Gosse liegt, Jean beobachtet den Überfall, hievt den verletzten in seinen ALDI-Wagen und transportiert ihn quer durch die Stadt zu sich nach Hause auf Melaten.
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